Man sollte sich bei der Auswahl des Instruments weise entscheiden.

Music was my first love, and it will be my last  – diese Textzeile aus dem Rockklassiker „Music“ von John Miles spricht zahlreichen Musiktalenten aus der Seele. Besonders diejenigen, die von klein auf mit Musik groß geworden sind und schon im zarten Kindesalter ihr erstes Instrument beherrscht haben, können im wahrsten Sinne ein Lied davon singen. Da erblasst so mancher vor Neid, der als Jugendlicher oder Erwachsener nie ein Instrument erlernt hat und doch so gerne einmal wie James Hetfield von Metallica die Gitarre zupfen oder so irre Trompete blasen können möchte wie die Jazzlegende Miles Davis. Auf ewig unerfüllte Träume? Mitnichten! Auch als Erwachsender kannst du noch ein Instrument erlernen und Spaß daran haben, selber Musik zu machen. Aber anders, als bei Kindern brauchst du mehr Zeit und Geduld mit dir selbst. Und ein Instrument, das zu dir passt.

Prüfe deine innere Einstellung

Bist du ein Perfektionist und möchtest alles in möglichst kurzer Zeit erlernen? Mit dieser Einstellung wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit nicht weit kommen. Wenn du schon nach den ersten Versuchen, einen Song zu spielen, das Instrument unzufrieden in die Ecke legst, wirst du auf Dauer keinen Spaß daran haben. Deshalb prüfe, wer sich ewig bindet – das gilt auch für das Musizieren. Neben der Auswahl des richtigen Instruments ist es zunächst erst einmal wichtig, dass du dir bewusst machst, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. All die Pop- und Rockgrößen haben lange, sehr lange üben müssen, bis sie ihr Instrument beherrscht und darüber hinaus einen eigenen Stil entwickelt haben. Deshalb sei gnädig zu dir selbst und werte jeden Fortschritt als Erfolg. Wenn du also eher ein Typ bist, der sich selbst nicht ständig unter Druck setzt, alles perfekt umsetzen zu müssen, der auch mal etwas aus Spaß ausprobieren und sich jede Woche dafür gern etwas Freizeit einräumen möchte, wird mehr und länger Freude daran haben, ein Instrument zu erlernen.

 

Keyboard? Oder doch besser Gitarre?

Die Wahl nach dem passenden Instrument ist der nächste Schritt. Klar, jeder weiß doch, auf welches Instrument man sich einlassen möchte. Aber dann kommen doch die ersten Zweifel: Ein Keyboard zu beherrschen ist sicherlich sehr komplex, vielleicht sollte ich erst einmal mit Gitarre anfangen. Wem die Entscheidung schwer fällt, aber schon ein, zwei Instrumente im Blick hat, sollte sich einfach in einem Musikfachgeschäft beraten und verschiedene Instrumente zeigen lassen. Dabei kann sich z. B. herausstellen, dass nicht das kleinste, sondern das am leichtesten spielbare Instrument ideal für Anfänger geeignet ist. Auch kann es eine Rolle spielen, ob man schon einmal in jungen Jahren ein Instrument erlernt hat und nun im Erwachsenenalter nochmal mit dem Musizieren anfangen möchte. Für blutige Anfänger eignen sich Instrumente wie Gitarre oder Klavier am besten, und auch das Schlagzeug gehört zu der Kategorie der leicht erlernbaren Instrumente und vermittelt einem das richtige Rhythmusgefühl, das für die Beherrschung eines jeden Instruments hilfreich ist. Streichinstrumente wie Geige oder Cello gehören zu den schwierig erlernbaren Instrumenten und sind für Anfänger weniger gut geeignet, es sei denn, man hat in früheren Zeiten schon Erfahrungen mit einem ähnlichen Instrument gesammelt oder möchte lediglich seine Kenntnisse auffrischen. Streichinstrumente sind mitunter sehr teuer in der Anschaffung, aber bei der einen oder anderen Musikschule gibt es die Möglichkeit, Instrumente zu mieten oder zu leasen.

 

Noten lernen? Nicht mit mir…

Für manche Instrumente ist das Erlernen der Noten essentiell. (Foto: ©ballabeyla – stock.adobe.com)

Die nächste Hürde, die viele Hobbymusiker überwinden müssen, ist Noten lesen zu lernen. Papperlapapp, Paul McCartney und Elvis Presley konnten auch keine Noten lesen, warum muss ich das können? Diese Frage wird sich der eine oder andere sicherlich stellen. Natürlich kommt es immer auch auf das Instrument an, das man erlernen möchte. Für Pianisten sind Noten nahezu unumgänglich, wenn man bekannte Stücke erlernen möchte. Auch für Streich- und Blasinstrumente sind Noten erforderlich. Wer das Schlagzeugspiel erlernen oder es mit dem Gitarrenspiel aufnehmen möchte, kann das Erlernen von Noten zunächst einmal außen vorlassen. Beim Gitarrenspiel sind es Griffe, die man erlernen muss, für Schlagzeuger gibt es Schlagzeugnoten, die normalen Noten ähnlich sind, wobei aber die verschiedenen Elemente des Schlagzeugs und ihre jeweiligen Einsätze abgelesen werden. Letztendlich gibt es hier aber anstelle von Noten auch Darstellungen, die das Spielen bekannter Stücke durch Lesen erst ermöglichen. Zwar kennen wir auch Musiker wie Stevie Wonder oder Ray Charles, die Noten aufgrund ihrer Blindheit nicht erlernen konnten, die aber durch ihre Gabe aus dem Gedächtnis heraus Stücke auf dem Klavier oder anderen Instrumenten spielen konnten, für die Noten lesen eigentlich eine Voraussetzung sind, zu musikalischen Genies avancierten.  Aber mit solchen Ausnahmetalenten können sich die meisten Anfänger nun einmal nicht messen. Dennoch kann es z. B. beim Erlernen von Klavierstücken am Anfang sinnvoll sein, ohne Noten zu arbeiten, um erst einmal ein Gefühl für das Instrument zu bekommen. Wer dann die ersten, einfachen Stücke spielen kann, wird schnell merken, dass ohne Noten keine Fortschritte möglich sind. Wer sich dann aber die Noten der bereits erlernten Stücke einmal anschaut, wird sich gut damit anfreunden können und Lust bekommen, schwierigere Stücke mit Hilfe von Noten zu erlernen.

 

Elektronisch oder akustisch?

Elektronische und akustische Instrumente haben ihre Vor- und Nachteile.
Elektronische und akustische Instrumente haben ihre Vor- und Nachteile. (Foto: ©THANANIT – stock.adobe.com)

Für Puristen sind akustische Instrumente ein Muss. Nichts klingt schöner als ein echtes Klavier oder ein Flügel, der auf einer Akustikgitarre gespielte Akkord oder der Sound eines echten Schlagzeugs. Aber gerade bei letzterem stellt sich jeder die Frage, ob er zuhause den geeigneten Raum zur Verfügung hat. Einerseits ist die Größe eines Schlagzeugs nicht unerheblich, andererseits auch der Lärmpegel nicht. Auch das Üben von Stücken auf dem Klavier kann gerade im Sommer bei geöffnetem Fenster so manchen Nachbarn zur Weißglut bringen. Da wäre ein akustisch gedämpfter Übungsraum schon angebracht. Wer keinen geeigneten Raum zur Verfügung hat oder zur Miete wohnt, sollte sich überlegen, ob er zur elektronischen Variante seines Wunschinstruments greift. Für Pianisten ist das elektrische Klavier oder Keyboard eine praktische Lösung, da man zum Üben sogar Kopfhörer nutzen kann und sich somit einerseits ungestört und ohne störende Nebengeräusche auf das eigene Klavierspiel konzentrieren kann und andererseits für andere unhörbar bleibt. Deutlich lauter sind elektrische Schlagzeuge, die zwar auch per Kopfhörer abgehört werden können, jedoch nicht ganz geräuschlos gespielt werden können, aber dennoch gedämpfter als herkömmliche Schlagzeuge daherkommen. Bei der Gitarre ist es eher eine Geschmackfrage, ob E- oder Akustikgitarre. Viele Anfänger wollen eher einmal so spielen können wie Angus Young von ACDC und weniger das feine akustische Jazzgitarrenspiel eines George Benson beherrschen können. Und wenn die E-Gitarre erst einmal am Verstärker angeschlossen ist, gibt es kein Halt mehr. Zum Üben kann man jedoch den Verstärker auch auslassen, was den Geräuschpegel einer E-Gitarre auf ein vergleichbares Niveau einer Akustikgitarre absenkt. Bei Blas- und Streichinstrumenten gibt es aber selten Kompromisse. Geigenspieler können allerdings aufatmen: Die E-Geige ist inzwischen salonfähig geworden und kann auch via Kopfhörer abgehört werden, jedoch sind Saxophonisten darauf angewiesen, entsprechende Dämpfer einzusetzen, was den Klang entsprechend verändert und nicht selten zur Unzufriedenheit führt, wenn die Dämpfer nicht den Erwartungen entsprechen. Wer Stücke mal in voller Bandbreite üben und spielen möchte, sollte sich eine urbane Nachbarschaft aussuchen oder ggf. gemeinsam mit anderen Mitmusikern einen Übungsraum anmieten. Auch Akustikkabinen sind eine gute Lösung, die aber ein hohes Gewicht haben, viel Platz benötigen und kaum unter 1000 Euro zu haben sind. Mit etwas Geschick können Raum-in-Raum-Lösungen auch selbst gebaut oder Selbstbau-Dämpfer eingesetzt werden.

 

Welches Instrument soll´s sein?

Welches Instrument du erlernen möchtest, hängt also oft auch von Faktoren ab, die du selber nicht beeinflussen kannst. Wenn du wenige musikalische Mitmenschen um dich hast, die sich bei schrägen Tönen sofort die Ohren zu halten, ermutigt dich das am Erlernen eines Instrumentes wohl kaum. Platzbedarf und Intensität der Übung spielen ebenfalls eine Rolle. Wenn du dann noch berücksichtigst, ob du gerne mit Noten arbeiten möchtest oder nicht, wird die Auswahl des passenden Musikinstruments noch ein bisschen kleiner. Von daher ist es sicherlich ratsam, die äußeren Faktoren nicht zu sehr zu berücksichtigen und eher auf seinen Bauch zu hören. Musik soll in erster Linie Spaß machen. Wenn die Auswahl des Instruments eine reine Vernunftentscheidung ist, wirst du schnell die Lust verlieren.

Stöbere doch mal die Aktivitäten zum Musizieren durch, denn dort findest du Gleichgesinnte in deiner Umgebung, die gern mit anderen gemeinsam Musik machen möchten. Wie wäre es mit folgenden Freizeitaktivitäten?

Gesangsstunde
Musizieren

Gesangsstunde

18.11.2019 | Zurigo
Jam Session
Musizieren

Jam Session

19.11.2019 | Ohligs

Titelbild: © eggeeggjiew – stock.adobe.com